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Hier finden Sie Rat zur Frage, ob und wie Abfindungen zu versteuern sind. Wenn Sie weitere Fragen haben, nehmen Sie Kontakt zu unseren Experten auf und lassen Sie jetzt Ihren Anspruch prüfen. Kostenlos. Von Fachanwälten.
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Steuern auf eine Abfindungszahlung

Eine im Sinne des Arbeitnehmers erfolgreiche Verhandlung mit dem Arbeitgeber setzt voraus, dass man im Voraus über eventuell anfallende Abzüge informiert ist. Denn im Ergebnis ist der dem Arbeitnehmer netto zufließende Betrag entscheidend. Was dem Arbeitnehmer im Falle einer Abfindung nach Kündigung tatsächlich netto zufließt, beurteilt sich insbesondere dadurch, ob von der verhandelten Abfindungssumme Sozialversicherungsbeiträge und/oder Steuern abgeführt werden müssen. Wir wollen uns im Folgenden ausschließlich dem Thema Steuern widmen und versuchen die nicht ganz einfache Thematik verständlich und anschaulich darzustellen. Wir haben uns zugunsten der besseren Verständlichkeit dazu entschieden, von der Erläuterung von Sonderfällen abzusehen. Bitte informieren Sie sich insoweit bei Ihrem Steuerberater oder einem anderen fachkundigen Berater.

 
Grundsätzlich gilt, dass Abfindungen voll zu versteuern sind.
 
Werden Abfindungen voll versteuert?
 

Ja, Abfindungen sind grundsätzlich voll zu versteuern, d.h. sie sind voll einkommensteuerpflichtig. Steuerliche Freibeträge auf Abfindungen gibt es keine.
 
Zusätzlich fallen noch 5,5 % Solidaritätszuschlag und, sofern kirchensteuerpflichtig, 9 % Kirchensteuer an. Berechnet werden diese von der auf die Abfindung entfallenden Lohnsteuer.
 
Da eine Abfindung steuerrechtlich zu den außerordentlichen Einkünften (§ 34 EstG) gezählt wird, kann der begünstigte Arbeitnehmer für den Fall, dass die Abfindung in einem Kalenderjahr gezahlt wurde, eine Steuerermäßigung in Form der sogenannten „Fünftelregelung“ nutzen.

 
Was ist die Fünftelregelung?
 

Die Fünftelregelung (§ 34 EstG) führt zu einer Steuerbegünstigung von außerordentlichen Einkünften. Dies geschieht, indem die vom Arbeitnehmer erhaltene Abfindung bei der Ermittlung der Steuerlast nicht einmalig dem Jahreseinkommen hinzugerechnet wird. Vielmehr wird die Abfindungszahlung gleichmäßig auf fünf Jahre verteilt.
 
Dadurch erhöht sich das Einkommen auf die fünf Jahre verteilt betrachtet nicht so stark als würde man die Abfindung im Jahr der Auszahlung in voller Höhe bei der Ermittlung der Steuerlast berücksichtigen. Durch die gleichmäßige Verteilung sind der Steuersatz und damit auch die Steuerlast niedriger.
 
Beispiel:
 
Ein Mitarbeiter wird aus betriebsbedingten Gründen zum 31.12.2019 entlassen. Sein jährliches Bruttogehalt beträgt 30.000 €. Er ist kinderlos, unverheiratet und kirchsteuerpflichtig. Er war sechs Jahre bei seinem Arbeitgeber beschäftigt und erhält kurz vor seinem Ausscheiden eine Abfindung i.H.v. 10.000 € ausgezahlt. Die Berechnung der Steuerlast erfolgt in vier Schritten.
 
1. In einem ersten Schritt wird ein Fünftel der Abfindung dem Jahres-Bruttoeinkommen hinzuaddiert und sodann auf den Gesamtbetrag die Einkommensteuerlast berechnet.

 

Brutto-Jahresgehalt 30.000 €
zzgl. ein Fünftel der Abfindung 2.000 €
→ zu versteuerndes Einkommen 32.000 €
→ anfallende Steuerlast 4.587 €

 

2. In einem zweiten Schritt wird die Einkommensteuerlast vom Jahres-Bruttoeinkommen ohne das Fünftel der Abfindung berechnet.

 

Brutto-Jahresgehalt 30.000 €
→ zu versteuerndes Einkommen 30.000 €
→ anfallende Steuerlast 4.040 €

 

3. Der niedrigere Gesamtbetrag wird nun vom höheren abgezogen und mit dem Faktor 5 multipliziert.

 

Steuerlast inkl. Abfindung 4.587 €
Abzüglich Steuerlast ohne Abfindung 4.040 €
Differenz = 547 € x5 = 2.735 €

 

Das Ergebnis stellt die Steuerbelastung aus der Abfindung unter Anwendung der Fünftelregelung dar.
 
4. Um zu einem korrekten Ergebnis zu gelangen, muss nun noch die Einkommensteuerlast aus dem Jahres-Bruttoeinkommen hinzugerechnet werden.

 

Steuerlast aus Abfindung 2.735 €
zzgl. Steuerlast aus regulärem Gehalt 4.040 €
Steuerbelastung insgesamt 6775 €

 

Würde man die Abfindung einfach dem Jahres-Bruttoeinkommen hinzurechnen, wäre ein Betrag von 40.000 € zu versteuern. In diesem Fall käme auf den Mitarbeiter eine Steuerbelastung i.H.v. 6.920 € zu. Die Ersparnis aufgrund Anwendung der Fünftelregelung beträgt somit 145 €.

 
Wer versteuert die Abfindung?
 

Der Arbeitnehmer erhält die Abfindung als Kompensation für den Verlust des Arbeitsplatzes sowie zukünftiger Verdienstmöglichkeiten. Der Arbeitnehmer ist somit auch der Steuerpflichtige und er muss die erhaltene Abfindung als Einkommen voll versteuern (§§ 2, 19, 24 EStG).


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